Liebevolles Engagement für den guten Zweck

Martina Pangerl öffnet mir die Tür. Im Hintergrund sausen sogleich eine Hand voll Kinder heran, fröhlich quietschend. Sie bittet mich in die gute Stube, wo ich sie und ihre Freundin Stefanie Dindaß näher kennen lernen darf. Die beiden Mamas nähen für den guten Zweck. Sie und viele weitere Frauen und Männer des Vereins „Handgemachtes für Sternenkinder und Frühchen“ verbringen jede freie Minute damit, aus Stoffresten kleine Sets für Frühchen oder Sternenkinder zu nähen oder aus Wolle zu stricken.

Martina kennt den unsagbaren Kummer, ein Kind zu verlieren. Auch sie war betroffen. Durch eine baldige, neue Schwangerschaft wurde sie getröstet. Ihre Tochter Sophie kam dann als Frühchen, aber gesund zur Welt.

Wenn ein Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt stirbt ist der Schmerz für die Eltern unglaublich groß. Martinas und Stefanies Verein möchten den Betroffenen ein wenig Trost spenden. Mit liebevoll gestalteten Stoffbehältern oder winziger Kleidung geben sie den Eltern die Möglichkeit, ihr ungeborenes Kind in Würde zu bestatten. Ein liebevoll genähtes Sternchen mit Täschchen bietet Platz für einen Embryo. Ein winziges „Schiffchen“ bietet ein liebevolles Bettchen für ein winziges Kind.

Zusammen mit anderen Engagierten nähen die beiden mal allein zuhause, mal bei Treffen. Die Zutaten stammen allesamt von Stoff- und Wollspenden. Wie groß die Freude über die Spenden ist, sehe ich hier in der Stube. Voller Stolz zeigen mir die beiden wunderschöne, bunte Stoffe und was sie daraus zaubern. „Jedes unserer Pakete hat eine kleine Einschlagdecke, eine Trost-Karte, Kleidung und Erinnerungsstücke“, erzählt Stefanie.

Die Erinnerungsstücke sind ein bemalter Stein, ein Trostengel, gebastelt aus bunten Perlen und zwei identischen Stoffherzen. „Das eine Herz können die Eltern mit dem Kind bestatten. Das andere Herz behalten sie als Erinnerung.“


Betroffene Eltern aus ganz Deutschland melden sich beim Verein. „Wir haben Sternchenpakete für ab der 14. Schwangerschaftswoche“, erzählt Martina. „Wir versuchen immer ein paar vorrätig zu haben, damit wir ganz
schnell reagieren können. Wir haben ein 24-Stunden-Notfall- Telefon über das uns die Betroffenen anrufen können. Manchmal kontaktieren uns die Mamas, oftmals aber auch die Papas. Sie möchten ihren verzweifelten Frauen ein wenig helfen. Manchmal erhalten wir auch eine Bestellung im voraus. „Wir haben gerade einen Fall, da ist das Kind im Mutterleib gestorben. Die Mutter muss das Kind diese Woche auf die Welt bringen. Hier haben wir das Trostpaket bereits los geschickt, damit es da ist, wenn der unsagbar schwere Moment gekommen ist.“

Besonders bewegt sind die nähenden Mamis, wenn sie Brautkleider als Stoffspenden bekommen. „Wir bearbeiten Brautkleider nie alleine. Der erste Schnitt fällt zu schwer, denn hinter jedem Brautkleid steckt eine bewegende Geschichte“, so Stephanie und Martina. „Ein Mann brachte das Brautkleid seiner verstorbenen Frau. Er wollte, dass das besondere Kleid noch einen besonderen Zweck bekommt. Eine Frau brachte ihr Kleid, nachdem ihr Mann gestorben war. Sie wollte so den Tod ihres Mannes verarbeiten.“

Martina und Stephanie erhalten oft Rückmeldung der betroffenen Familien. Manche schicken Fotos ihrer verstorbenen Kinder. Als sie mir so ein Foto zeigen wollen, muss ich passen. Schon die Erzählungen einiger Geschichten trauernder Eltern haben mich an den Rand meiner Fassung gebracht.

Wenn ich jetzt ein Foto eines verstorbenen Babys sehen würde, würde ich unkontrolliert in Tränen ausbrechen. Ich bewundere die beiden Mamis zutiefst für ihre selbstlosen Dienste und ihr tapferes Engagement. Neben der wertvollen Arbeit für die Sternchenboxen nähen die fleißigen Händchen auch Sets für Frühchen. „Meine Sophie war ein Frühchen“, erzählt Martina. „Ich weiß, dass man nichts zu Anziehen für die klitzekleinen Babys bekommt.“


Aus bunten, fröhlichen Stoffen nähen sie daher Bodys, Hemdchen, Höschen, Mützchen. Auch diese Sets verschickt der Verein – völlig kostenlos. Während unseres Gesprächs scharen sich Martinas und Stefanies Kinder um uns. „Auch sie helfen mit“, erzählen die Mamis. Sie helfen beim Sortieren der Stoffe, der Perlen. „Sie sind ganz heiß drauf zu helfen“, schmunzelt Stefanie.

Autorin: Maria Burges


Unterstützung für den Verein

Wer sich für diesen wunderbaren Verein engagieren möchte, ist herzlich willkommen. „Manche Frauen sind selber betroffen. Für sie ist diese Aufgabe eine Art Therapie.“ Der Verein freut sich sehr über Stoff- und Wollspenden.

Infos zur Unterstützung:
Per Telefon: 0176-21 00 56 96
oder Mail: info@fuersternenkinderundfruehchen.de


www.facebook.com/fuersternenkinderundfruehchen
Auf facebook findet man die stets aktuelle
Materialbedarfsliste.


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