Folat ist für Zellteilung und Wachstum verantwortlich. Schwangere haben einen erhöhten Bedarf, den sie kaum in ausreichender Menge allein über eine ausgewogene Ernährung decken können. Daher ist für Frauen bereits vor beziehungsweise zu Beginn der Schwangerschaft eine Nahrungsergänzung mit Folsäure, der synthetische Form dieses wasserlöslichen B-Vitamins, sinnvoll.

„Schwangeren wird allerdings eine Fülle an Präparaten angeboten, die neben Folsäure auch Vitamine und Mineralstoffe in verschiedensten Zusammensetzungen enthalten. Diese sind häufig überflüssig und zu hoch dosiert“, warnt Angela Clausen. Die Expertin für Lebensmittel im Gesundheitsmarkt erklärt, was im Hinblick auf Nahrungsergänzung mit Folsäure ratsam ist. 

Ab wann und wie lange sollten Frauen Folsäure einnehmen?

Frauen mit Kinderwunsch sollten mindestens vier Wochen, besser noch drei Monate vor dem geplanten Beginn einer Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure beginnen:

  • So ist sichergestellt, dass ihr Körper bereits eine ausreichende Menge des Vitamins gespeichert hat, wenn die frühe Embryonalentwicklung beginnt.
  • Denn gerade in den ersten Wochen ist Folsäure für die normale Entwicklung des Gehirns und des Rückenmarks des Babys entscheidend.
  • Daher wird von Fachgesellschaften die Einnahme von Folsäure im ersten Trimester, also bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche, empfohlen. Dies gilt insbesondere, wenn Frauen zuvor mit der Pille verhütet haben, da die Medikamente „Folsäure-Räuber“ sind.
Angela Clausen Diplom-Ökotrophologin und Teamleiterin Lebensmittel im Gesundheitsmarkt bei der Verbraucherzentrale NRW und gibt Tipps zu Folsäure
Angela Clausen ist Diplom-Ökotrophologin und Teamleiterin Lebensmittel im Gesundheitsmarkt bei der Verbraucherzentrale NRW.

Wie hoch sollte die Folsäure Dosierung sein?

Vor der Schwangerschaft sowie im ersten Trimester sollte die Dosis 400 Mikrogramm betragen. Wird mit der Einnahme erst nach Bekanntwerden der Schwangerschaft begonnen, sollten täglich 800 Mikrogramm Folsäure zugeführt werden. Am besten besprechen die Frauen das mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Zu viel Folsäure, das heißt mehr als 1.000 Mikrogramm pro Tag, kann unerwünschte gesundheitliche Wirkungen hervorrufen.

Daher ist dringend davon abzuraten, mehrere Produkte oder angereicherte Lebensmittel mit Folsäure zu nehmen. Natürliches Folat in Form von folsäurereichen pflanzlichen Lebensmitteln kann hingegen nicht überdosiert werden. Es steckt beispielsweise in grünem Blattgemüse wie Spinat oder Salaten, Kohlsorten, Hülsenfrüchten, (Erd-)Nüssen, Vollkornprodukten, Tomaten oder Orangen.

Wie gut sind die vielfach angebotenen Spezialprodukte?

Gerade die teuren Kombinationsprodukte mit zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen werden in Arztpraxen und Apotheken häufig stark beworben. Dabei können gesunde Frauen bis auf Folsäure und Jod, das während der gesamten Schwangerschaft und auch während der Stillzeit mit 100 Mikrogramm pro Tag ergänzt werden sollte, alle übrigen Vitamine und Mineralstoffe über eine abwechslungsreiche Ernährung mit herkömmlichen Lebensmitteln ausreichend aufnehmen.

Die Kombi-Präparate sind daher fast immer überflüssig. Manche Stoffe können sogar schaden. Beispiel Eisen: Eine zusätzliche Ergänzung brauchen Schwangere nur, wenn eine Unterversorgung ärztlich festgestelltwurde. Denn nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel Eisen kann das Risiko für Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht erhöhen. Die Einnahme von Vitamin D und Docosahexaensäure (DHA) wird ebenfalls nur bestimmten Personen nach vorheriger ärztlicher Abklärung empfohlen. Insbesondere Vegetarierinnen und Veganerinnen sollten sich entsprechend beraten lassen.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW 

Fotos: © VZ NRW und © VZ NRW/adpic

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