„Oft, als ich mir als kleines Mädchen ein Eis von meinem Taschengeld gekauft habe, hatte ich ein schlechtes Gewissen“

Kirstin Wulf spricht mir aus der Seele. Genau das Gleiche ist mir als kleines Mädchen auch passiert. Ich hatte mir damals von meinen 50 Pfenning Taschengeld eine Kugel Kaugummi aus dem Automaten geholt. Tagelang hatte ich diese mit mir herumgetragen und überlegt, was ich mit meinem Geld Schönes anfangen soll – und sie dann vermeintlich an eine Kugel Kaugummi verschwendet. Sogleich schmeckte mir der Kaugummi dann gar nicht mehr.

Warum das schlechte Gewissen?

„Meinen Eltern war es wichtig, uns Kindern primär Sparsamkeit zu vermitteln. Das führte dazu, dass Taschengeld-Einkäufe bewertet wurden. So hatte ich schnell das Gefühl, dass es besser sei, überhaupt kein Geld auszugeben, sondern es am Weltspartag zur Bank zu bringen. Als Kind fand ich das sehr belastend.“

Es ist häufig zu beobachten, so Kirstin Wulf, dass Eltern, die auf diese Weise groß geworden sind, nun ihren Kindern beim Taschengeld völlig freie Hand lassen. Dabei entgeht den Kindern das Erlernen eines guten und kompetenten Umgangs mit Geld.

„Wie so häufig, ist der goldene Mittelweg sinnvoll“, sagt Kirstin Wulf, die Workshops und Vorträge zum Thema Taschengeld anbietet.

Eltern begleiten ihre Kinder, wenn diese einmal in der Woche einen festen Betrag als Taschengeld bekommen. „Kommunikation und Augenhöhe“, so Kirstin Wulf, „ist hierbei entscheidend. Und wie bei jeder guten Beratung: Wenn das Kind beschließt, einen anderen Weg zu gehen und etwas kauft, das vielleicht schnell kaputt geht oder die eigenen Erwartungen nicht erfüllt, dann ist es gut, wenn Eltern einmal tief durchatmen und diesen Moment aushalten. Was das heißt? Sich Sätze wie „das habe ich dir doch gleich gesagt …“ einfach zu verkneifen. Denn auch negative Erfahrungen gehören dazu, um einen guten Umgang mit Geld zu erlernen.“

Die drei Taschengeld-Gläser-Idee:

Die „Über-Geld-Sprecherin“ und zweifache Mutter hat im Rahmen ihrer Initiative bricklebrit (benannt nach dem Spruch aus dem Märchen Tischlein, deck dich, demzufolge der Esel seine Golddukaten auswirft) diesen sogenannten Mittelweg in ein spannendes Taschengeld-Konzept gegossen:

Das Taschengeld soll mit Unterstützung der Eltern jede Woche von den Kindern in drei Gläser verteilt werden. Dabei entscheiden die Kinder je nach Zielen, Plänen und Bedürfnissen, wie hoch der Betrag ist, der in die Gläser wandert. Kirstin Wulf betont, dass einmal getroffene Entscheidungen nicht rückgängig gemacht werden sollen, indem unter der Woche die Geldbeträge verschoben werden.

Was sind das nun für drei Gläser? Das erste Glas trägt die Aufschrift „Für später“, dies ist das Spar-Glas, damit sich das Kind zu einem späteren Zeitpunkt einen Wunsch erfüllen kann. Im „Für jetzt“-Glas wird der Teil des Taschengeldes gesammelt, der für Sofort-Ausgaben zur Verfügung steht. Ins dritte „Für Dich“-Glas legen Kinder Geld für Ausgaben hinein, die eher einem sozialen Zweck dienen: Für Oma zum Geburtstag, für den wohnungslosen Menschen auf der Straße oder was das Kind sonst an guten Taten plant.

Eltern ist häufig gar nicht bewusst, dass Taschengeld ein wichtiges Instrument ist, um einen guten Umgang mit Geld zu erlernen. Dazu gehört auch die wohlwollende, aktive Rolle der Eltern.

Dazu gehören gleichfalls die wohlwollende, aktive Rolle der Eltern und die Gespräche übers Geld in der Familie. Anders als früher üblich, dürfen wir nämlich unseren Kindern von Geld-Dingen erzählen. Oder sie  – altersgerecht –  in unseren Geld-Alltag mit einbeziehen. „Das geht übrigens auch, ohne konkrete Beträge zum Familieneinkommen zu offenbaren.“

Das eigene Geld in Form des Taschengeldes ermöglicht Kindern Erfahrungen, die sie eben am besten selbst machen. Eine von vielen Lektionen kann heißen: Wenn ich heute viel Geld für Kleinigkeiten ausgebe, habe ich morgen weniger zur Verfügung, um mir meinen Wunsch zu erfüllen. Dazu kommen Geduld und Durchhaltevermögen. Die meisten Eltern wissen, dass diese Kompetenzen eben nicht vom Himmel fallen …

Kirstins Tipp:


Eltern setzen sich auf Augenhöhe – als sogenannte Ratgeber – mit den Kindern zusammen und besprechen das Taschengeld. Am besten gibt man den Kindern dabei Kleingeld, damit sie es gut aufteilen können. „Du bekommst heute 5 Euro. Weißt du schon, wie du das Geld auf die drei Gläser verteilen willst?“ Im Gespräch über anstehende Termine, Wünsche und mögliche Fallstricke fällt es Kindern leichter, ihre Entscheidungen zu treffen.

Zur wöchentlichen Taschengeld-Ausgabe gehört darüber hinaus, gemeinsam mit den Kindern zu reflektieren, was in der letzten Woche gut und was nicht gut funktioniert hat. Auf Grundlage der gemachten Erfahrungen können neue Entscheidungen getroffen werden, wenn es um die Verteilung des eigenen Taschengelds in die drei Gläser geht.

Dabei merken Kinder (Achtung: eine weitere Lektion!) was es bedeutet, Prioritäten setzen zu müssen, wie beim Beispiel: Ich entscheide mich FÜR und manchmal GEGEN etwas. Entweder bin ich heute etwas verschwenderischer ODER ich lege mein Geld zurück. Das will manchmal gut überlegt sein.

Wie hoch sollte das Taschengeld sein?

„Das ist die Frage, die Eltern am meisten interessiert!“, lacht Kirstin. Eine pauschale Antwort fällt schwer, sagt sie. Nicht zuletzt hängt der Betrag manchmal vom Einkommen der Eltern ab. Aber nicht nur.

Eltern können sich jedoch Stück für Stück an eine für sie richtige Lösung heranarbeiten. Ziel ist es, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viel Geld sie im Alltag für ihr Kind ausgeben. Das kann der Beitrag für den Sportverein sein, die Ausgaben für Kleidung und Schule, für Brotzeiten, Familienausflüge, den Kinobesuch mit Freunden oder das Eis im Urlaub. Diese Ausgaben werden über Wochen oder Monate notiert. In der Regel fällt es im Anschluss leichter, die Höhe des Taschengeldes zu bestimmen.

Bezahlen Eltern, solange die Kinder klein sind, alles, so wird Kindern mit zunehmenden Alter Stück für Stück mehr Verantwortung für Teil-Ausgaben gegeben. Am Anfang geht es um Zeitschriften, später vielleicht schon um feste Beträge für Kleidung oder Reisen.

Wer noch mehr Orientierung benötigt, findet im Internet sogenannte Taschengeld-Tabellen. Gut ist, so Kirstin, wenn Eltern insgesamt berücksichtigen, ihren Kindern nicht zu viel oder zu wenig Taschengeld zu zahlen. Was das heißt? Wenn ein Kind Jahre benötigt, um für einen Wunsch zu sparen, verliert es den Spaß. „Im Umkehrschluss bedeutet dies nicht, das Maß völlig zu verlieren und Kindern nur kleine oder gar keine Hürden zuzumuten.“ Fingerspitzengefühl ist darüber hinaus notwendig, wenn es Geschwisterkinder gibt und Eltern einschätzen müssen, wie die Taschengeld-Beträge im Verhältnis stehen oder mit dem Alter der Kinder zu erhöhen sind.

Taschengeld: Ab wieviel Jahren?

In den meisten Familien wird Taschengeld mit dem Eintritt in die Schule, also ab sechs Jahren, gegeben. Dies hat sich bewährt, da Kinder in diesem Alter lernen, Zahlen und Zahlenräume zu erfassen.

Apropos ältere Kinder: Diese fordern in der Regel mehr Eigenständigkeit und sind immer weniger für Gespräche mit den Eltern übers Geld oder Taschengeld zu begeistern.

Kirstin erinnert daran, dass dies ja ein völlig normaler Prozess ist. Wir dürfen uns gerne daran erinnern, dass es es ja darum geht, Kindern Selbständigkeit zu ermöglichen. Dazu gehört auch die zunehmende Verantwortung beim Umgang mit dem Taschengeld. Dennoch ist es gut — gerade in Übergangszeiten und bei Dingen, die sie noch nicht kennen (zum Beispiel bei der Nutzung eines Kontos oder einer Geld-Karte) — ein Auge auf den Nachwuchs zu behalten. Wer es schafft, weniger Kontrolle auszuüben, aber dafür mehr zu kommunizieren, damit die Kinder das Vertrauen haben, sich den Eltern anzuvertrauen, wenn mal was schiefgeht, ist sicherlich im Vorteil.

Weitere Ideen zum Thema Taschengeld und die tollen die Aufkleber für die Taschengeld-Gläser gibt es hier:

www.bricklebrit.net/home

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