Von Katarina Schickling

Die ewige Gretchenfrage im Supermarkt: Sag, wie hältst Du es mit der Tropenfrucht?

Mango, Papaya, Banane, Ananas… es ist sehr selbstverständlich für uns geworden, Früchte zu essen, die vom anderen Ende der Welt zu uns kommen müssen, weil sie in unserem Klima nicht gedeihen. Und gerade im Winter schaffen Exoten eine willkommene Abwechslung – auch wenn der Apfel im Keller vielleicht die ökologisch korrektere Variante wäre.

Die Schweizer Organisation Gebana, die sich fairem Handel mit Entwicklungsländern verschrieben hat und Bauern in Afrika oder Asien beim Vermarkten ihrer Produkte unterstützt, hat nun bei einer Schaffhausener Beratungsfirma eine Studie in Auftrag gegeben, um zu klären, wie sehr der Transport solcher Erzeugnisse mit dem Schiff die Umwelt belastet.

Das Fazit in Kurzfassung: Ganz generell hat der Transport einer Frucht nur einen relativ geringen Anteil an der Ökobilanz, selbst bei der Flugmango. Der Großteil der Umweltbelastungen geht auf den Anbau zurück. Bei Bananen verursacht der Anbau pro Kilogramm Frucht rund 75 Prozent der Belastungen, bei Kaffee und Reis sind es über 90 Prozent.

In dem Moment, wo unser Exotenobst mit dem Flugzeug anreist, verschlechtert sich die Bilanz deutlich – im Vergleich zum Schiffstransport, etwa um den Faktor 22. Ein hoher Preis für die „Ready to eat“-Bequemlichkeit. Aromatischer sind die verzehrfertigen Mangos nicht, als jene, die auf dem Fensterbrett nachreifen. Und weil die weichen Früchte so druckempfindlich sind, kommt hier noch die schützende Plastikumhüllung dazu – ganz schlecht!

Was mich jedoch am meisten umtreibt, ist dieser Punkt: Unser Tropenobst fährt tausende Seemeilen Schiff und nur ein paar hundert Kilometer auf der Straße, vom Hafen zum Endverbraucher – und doch richtet die Etappe auf dem LKW in Sachen Ökobilanz deutlich mehr Schaden an, als die Schiffspassage. Je weiter Sie also von einem der klassischen Frachthäfen entfernt leben, desto schlechter ist der Papaya-Smoothie zum Frühstück.Das Gleiche gilt damit allerdings für Tomaten aus Spanien oder Gurken aus den Niederlanden – im Zweifel sind die sogar noch weiter LKW gefahren, als die Ananas vom Hamburger Hafen nach, sagen wir mal, Hannover.

Für mich wieder mal ein Argument dafür, dass Lebensmittel, wo immer das möglich ist, aus der Region stammen sollten. Also in München Bodenseeäpfel und in Hamburg jene aus dem Alten Land. Wenn wir dann noch zu Saisonware greifen, machen wir vieles richtig und haben zudem noch mehr Geschmack und Nährstoffe im Einkaufskorb – denn all das geht auf der langen Reise nach und nach verloren.

In Ihrem Blog erläutern die Leute von Gebana die Studie und ihre Hintergründe – unbedingt lesenswert!


Katarina Schickling ist Buchautorin und Dokumentarfilmerin. Sie spezialisiert sich seit Jahren bei ihren Recherchen auf nachhaltiges Leben und gesunde, ökologisch sinnvolle Ernährung. Als Expertin wird sie von ARD & ZDF zurate gezogen.

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