20 Prozent unserer Kinder in Deutschland leiden unter einer psychischen Störung. Jedes dritte Kind zeigt psychische Auffälligkeiten. Das sind erschütternde Zahlen. Wie äußern sich diese Störungen? Woran können Eltern erkennen, dass es ihrem Kind nicht gut geht?

Viele Kinder entwickelten im Laufe der Pandemie Ängste und depressive Symptome, unter weiblichen Jugendlichen haben auch Essstörungen in dieser Zeit zugenommen. Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind besonders betroffen. Die Ergebnisse der letzten und 3. Befragung der COPSY-Studie zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und Covid vom Herbst 2021 zeigten insgesamt, dass zu dem Zeitpunkt rund ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen ihre Lebensqualität nicht so gut beurteilten wie vor der Pandemie. Psychosomtische Stresssymptome wie Greiztheit, Niedergeschlagenheit und Einschlafprobleme waren im Vergleich zu dem Zeitpunkt vor der Pandemie höher.

Wir haben uns mit Ulrike Döpfner unterhalten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Autorin.


Foto: Daniel Biskup

Ulrike Döpfner,
Mutter von drei Söhnen.
Kinder- & Jugendlichenpsychotherapeutin mit Schwerpunkt Elterncoaching.
Autorin


Wie können Eltern erkennen, dass es ihrem Kind nicht gut geht?

Eltern erkennen, dass es ihren Kindern nicht gut geht, wenn ein vormals relativ ausgeglichenes Kind sein Verhalten verändert:

Das kann rückzügiges Verhalten sein, also, dass ein Kind auf einmal viel allein Zeit verbringt, eher in sich gekehrt ist, traurig oder ängstlich wirkt, vielleicht wird es weinerlich und entwickelt psychosomatische Beschwerden, klagt über Kopf- oder Bauchschmerzen oder über Einschlafschwierigkeiten. Auch ein eher aggressives, leicht wütendes und impulsives Verhalten kann ein Hinweis dafür sein, dass ein Kind belastet ist. Insgesamt sind dies alles Verhaltensweisen, die auf eine emotionale Unausgeglichenheit und Überforderung hinweisen.

Wodurch werden diese Störungen ausgelöst?

Es ist immer das Zusammenspiel mehrerer Risiko-Faktoren, das die Entwicklung einer Störung befördert. Das sind biologische Risikofaktoren, wie etwa genetische Faktoren, zum Beispiel die genetische Prä-Disposition für die Entwicklung einer Störung oder körperliche Krankheiten des Kindes, auch ein sogenanntes „schwieriges“ Temperament ist ein solcher Risikofaktor. Dann gibt es Risikofaktoren, die in der Persönlichkeit des Kindes angelegt sind – etwa mangelnde soziale Fähigkeiten. Weiterhin spielt der familiäre Hintergrund eine wichtige Rolle – ein konfliktreiches Familienklima, ein strafender, emotional nicht warmer Erziehungsstil, Streitigkeiten zwischen den Eltern oder auch chronische Krankheiten der Eltern sind Risikofaktoren, denen ein Kind ausgesetzt sein kann. Auch der sozioökonomische Hintergrund der Familie spielt eine Rolle – Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien kommen, haben ein 2,5 Mal so hohes Risiko psychisch auffällig zu werden als Kinder aus Familien mit hohen sozioökonomischen Ressourcen. Dann spielt die Eingebundenheit in das soziale Umfeld eine wichtige Rolle – ist das Kind gut in die Klassengemeinschaft integriert oder eher nicht, hat es Freunde und auch Unterstützung außerhalb der Familie etwa durch Verwandte wie Grosseltern?

Den Risikofaktoren stehen sogenannte Schutzfaktoren gegenüber, die ein Kind vor der Entwicklung einer psychischen Störung schützen – diese können in der Persönlichkeit des Kindes begründet sein – ein hoher Selbstwert oder eine hohe Intelligenz sind solche Schutzfakoren. Es gibt familäre Schutzfaktoren wie die stabile, emotionale Beziehung zu mindestens einer Bezugsperson und ein positives Familienklima. Dann gibt es soziale Schutzfaktoren ausserhalb der Familie wie Freundschaften oder die gute Eingebundenheit in die Klassengemeinschaft.

Insgesamt kommt es darauf an, über wieviel Ressourcen ein Kind verfügt und wie hoch die Belastungen sind, denen ein Kind ausgesetzt ist. Um es einfach auszudrücken: Überwiegen die Ressourcen mit denen ein Kind ausgestattet ist und von denen es umgeben wird – stabile Familienverhältnisse sind hier besonders wertvoll – so ist eine gesunde Entwicklung des Kindes wahrscheinlich, sind die Belastungs- und Risikofakoren, denen ein Kind ausgesetzt wird, höher als die Schutzfaktoren, so kann es sein, dass das Kind psychisch auffällig wird. Während der Pandemie sind für viele Kinder Belastungen und Risikofaktoren hinzugekommen so wie etwa Home Schooling, social distancing, Sorgen um die Gesundheit oder den Arbeitsplatz der Eltern, die bei einigen Kindern mit zu einer Entwicklung von psychischen Auffälligkeiten beitrugen.

Sind Kinder und Jugendliche heute mehr belastet als früher?

Sicherlich erleben Kinder und Jugendliche nach rund 2 Jahren Pandemie mit den entsprechenden sozialen und schulischen Einschränkungen sowie zum Teil auch eigenen oder gesundheitlichen Problemen in ihrer Familie gerade eine sehr belastende Zeit, die nun auch noch durch den Krieg in der Ukraine überschattet wird.

Die Stress-Studie der Bepanthen-Kinderförderung von 2015 in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld, für die 1 100 Kinder und Jugendliche von 6 bis 11 und 12 bis 18 Jahren sowie 1 039 Eltern in Deutschland befragt wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 18 Prozent der Kinder und 19 Prozent der Jugendlichen unter deutlichem Stress leiden. 70 Prozent der Kinder mit hoher Stressbelastung kommen mit der Bewältigung der Hausaufgaben nicht zurecht, damit stellt Schule einen deutlichen Stressfaktor dar. Homeschooling hat diese Belastung für viele Kinder noch intensiviert. Insofern sind Kinder aktuell sicherlich deutlich stärker belastet als vor der Pandemie.

Ausserdem sind Kindheiten insgesamt nicht mehr so frei wie früher: Durch die zunehmende Urbanisierung und die stärkere elterliche Kontrolle ist das selbstständige Spielen an der frischen Luft heute stärker eingeschränkt als früher. Der Radius, in dem Kinder sich unbeaufsichtigt ausserhalb ihres Zuhauses bewegen dürfen, hat sich seit den sechziger Jahren deutlich verringert. Dies liegt zum einen an dem größeren Verkehrsaufkommen, zum anderen an einer größeren Angst der heutigen Eltern, dass ihren unbeaufsichtigten Kindern etwas zustossen könnte. Die für Kinder so wichtigen Erfahrungen der Selbstständigkeit und des freien Bewegungsspiels in der Natur werden somit immer rarer. Dabei haben dänische Wissenschaftler der Universität Aarhus herausgefunden, dass das Risiko von Kindern, als Erwachsene eine psychische Störung zu entwickeln, schrittweise abnimmt, je länger Kinder von Geburt an bis zu einem Alter von 10 Jahren von Grünflächen umgeben sind. Die Forscher fanden heraus, dass es nicht per se schlecht sei, in der Stadt aufzuwachsen solange man von Grünflächen umgeben sei.

Spielt das Internet, Social Media, dabei eine Rolle?

Ich möchte Medien-Konsum nicht per se verteufeln. Eltern sollten ihre Kinder hierbei jedoch unbedingt gut begleiten – sie über Risiken und Gefahren aufklären und Regeln – auch zum Umfang der Nutzung – festlegen und darauf achten, dass diese auch umgesetzt werden, denn wie wir alle wissen, kann social media einen Sog ausüben. Eltern sollten mit ihren Kindern im Gespräch bleiben über die Inhalte, mit denen sie sich beschäftigen und unvoreingenommenes Interesse zeigen, damit Kinder auch gern darüber erzählen.

Cybermobbing ist für Kinder und Jugendliche eine reale Gefahr. Diese Form von bösartiger Herabsetzung ist für Mobbingopfer extrem selbstwertschädigend. In der »JIM Studie 2020 – Jugend, Information und Medien« des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest gaben in einer repräsentativen Befragung unter 12–19-Jährigen 38 Prozent der Befragten an, dass sie in ihrem Umfeld mitbekommen haben, dass jemand im Internet absichtlich fertiggemacht wurde, 11 Prozent wurden nach eigenen Angaben schon einmal »online fertiggemacht«.

Als Eltern können wir versuchen, unsere Kinder für die Gefahren der Nutzung von Social Media zu sensibilisieren. Hundertprozentig schützen können wir sie leider nicht. Der beste Schutz sind Auklärung über die Risiken und das Vertrauen, das sie in uns etablieren, denn dann können wir hoffen, dass sie sich im Falle von Mobbing oder anderer Probleme an uns wenden. Eltern sollten deshalb abwertende Kommentare inebzug auf die Aktivitäten ihrer Kinder vermeiden und ein offenes Gespräch suchen, sodass ihr Kind in einer schwierigen Situation nicht das Gefühl haben muss, dass es sich nicht an seine Eltern wenden kann, weil sie seine Aktivitäten ohnehin nicht gutheißen.

Wie können wir unsere Kinder auffangen, damit sie nicht unter ihrer Belastung leiden? Wie können wir sie beschützen, ohne sie zu beglucken? Denn alle Unwegsamkeiten von ihnen fern zu halten, hilft ihnen auf lange Sicht auch nicht wirklich?

Da haben Sie völlig Recht – Kinder in „Watte“ zu packen oder ständig zu umkreisen wie die viel zitierten „Helikopter Eltern“ signalisiert Kindern, dass ihre Eltern ihnen nicht viel zutrauen. Das schwächt das eigene Selbstvertrauen. Haben Kinder die Möglichkeit, mit dem Wissen der unterstützenden Begleitung ihrer Eltern im Hintergrund eigene Erfahrungen zu machen, stärkt das die Selbstständigkeit und das Gefühl der Selbstwirksamkeit, bei dem die Kinder erleben – ich kann Lösungen für Probleme selbst finden, ich kann selbstständig Erfolge erleben. Diese Erfahrungen stärken auch das Selbstwertgefühl.

Wenn Eltern beobachten, dass ihr Kind belastet ist, sollten sie versuchen, ihre Beobachtungen behutsam anzusprechen. Sie sollten ihrem Kind die Gefühle, die bei ihnen ankommen, spiegeln und versuchen, darüber ein Gespräch zu initiieren. Viele Kinder sprechen von selbst ihre Gefühle nicht an – denn es ist ja gar nicht einfach, auch für viele Erwachsene nicht – seine Gefühlswelt zu erklären. Kinder brauchen hierfür die Anleitung und Unterstützung ihrer Eltern, die keine Angst vor „unangenehmen“ Themen haben sollten, die wir alle ja manchmal im Alltag ganz gern verdrängen. Oft fühlen sich Kinder sehr entlastet, wenn sie merken, dass ihre Eltern ihre Sorgen und belastenden Gefühle wahrnehmen. In solchen Gesprächen können Eltern gemeinsam mit ihrem Kind versuchen Lösungsansätze zu entwickeln. Auch hier: Eltern sollten vermeiden, die alleinige Führung zu übernehmen – es ist gut, das Kind an einem Lösungsansatz zu beteiligen und ihm das Gefühl zu geben, dass seine Eltern ihm Lösungen zutrauen und dass sie an seiner Seite sind, falls es Unterstützung brauchen sollte.

Solche Gespräche ergeben sich nicht zwischen Tür und Angel, man sollte sich genügend Zeit dafür nehmen und idealerweise für eine geborgene, gemütliche Atmosphäre sorgen– vielleicht indem man sich einen Kuschel-Moment mit seinem Kind auf dem Sofa nimmt und den mit einer heißen Schokolade versüsst. Manchmal ergeben sich auch Gespräche über schwierige Themen, wenn Eltern mit ihren Kindern gemeinsam Geschichten lesen, bei denen es um „unangenehme“ Gefühle geht. In meinem Buch habe ich einige Geschichten geschrieben, die solche Gefühle thematisieren und über die sich Gespräche darüber initiieren lassen.

Welche Rolle spielt ein gesundes Selbstwertgefühl bei der Psyche unserer Kinder?

Ein guter Selbstwert hilft Kindern, ihre Potentiale zu leben, da er zu ihrer emotionalen Sicherheit beiträgt und sie offener für neue Erfahrungen macht.

Kinder mit einem positiven Selbstwert fällt es leichter, Freundschaften zu schließen und angemessen auf soziale Situationen zu reagieren als Kindern mit einem negativ verzerrten Selbstbild. Auf der anderen Seite schützt ein guter Selbstwert Kinder, wenn sie in schwierige Situationen geraten, etwa bei Ablehnungs- oder Verlusterfahrungen und trägt dazu bei, dass sie in solchen Momenten nicht so leicht aus der Bahn geworfen werden.

Kinder mit einem guten Selbstwert gehen insgesamt resilienter mit Belastungen um als Kinder mit einem schlechten Selbstwert, haben also eine größere Chance Krisen gesund zu überstehen.

Ein guter Selbstwert schützt vor Angst, Unsicherheit und Depression. Außerdem hat er günstige Effekte auf die Schulleistungen von Kindern und verbessert Problemlösefähigkeiten, was zu vermindertem Stress führt.

Kinder und Jugendliche mit einem guten Selbstwert sind weniger von der Meinung anderer abhängig und sind somit besser in der Lage, sich von schädigenden Einflüssen wie Zigarettenrauchen oder Drogenkonsum abzugrenzen. Genug Gründe also, um einen starken Selbstwert als einen Schatz zu bezeichnen.

Wie können wir das Selbstwertgefühl von klein auf stärken?

Wenn ein Kind erfährt, dass seine Eltern es lieben, so wie es ist, mit allem, was zu seiner Persönlichkeit gehört – allen Stärken und Vorzügen und eben auch allen anstrengenden Seiten und seinen Schwächen – ist das eine wunderbare Grundlage, auf der das Kind eine Akzeptanz seiner Selbst und positives Bild von sich entwickeln kann. Hierzu ist es wichtig, dass Kinder nicht erleben, dass die Unterstützung oder Liebe ihrer Eltern an Bedingungen gekoppelt ist, sondern eben, dass sie bedingungslos ist. Zuwendung und Aufmerksamkeit sollten Eltern ihren Kindern also nicht nur bei erwünschtem Verhalten (inbezug auf Schulleistungen, Mithilfe im Haushalt, Erfolg im Sport…) zukommen lassen, da Kinder sonst Gefahr laufen, sich primär über ihre guten Leistungen und Erfolge zu definieren – ihr Selbstwert wäre somit stark abhängig von ihrer Leistung. Zeigen Eltern ihren Kindern, dass sie ihre gesamte Persönlichkeit lieben und richten sie ihre liebevolle Aufmerksamkeit auch auf Anteile der kindlichen Persönlichkeit, die Leistungs unabhängig sind, wie zum Beispiel die Hilfsbereitschaft ihres Kindes, seine Freundlichkeit, seine Gutmütigkeit, seine Großzügigkeit, sein Humor oder seine Kreativität, so hat das Kind die Möglichkeit, sich als liebenswert und wertvoll zu erfahren, unabhängig davon, ob es gute Leistungen erbringt oder nicht. Das eröffnet die Chance für das Kind eine Selbst Akzeptanz zu entwickeln, die zu einem stabilen Selbstwert führt, eben, weil er unabhängig von seinen Erfolgen und Leistungen ist – ein Kind muss also keine Erfolge generieren, um sich geliebt und wertvoll zu fühlen. Wie viele Erwachsene jagen Erfolgen hinterher, um sich als wertvoll zu empfinden. Erfolge sind wunderbar, jedoch nicht, wenn sie benötigt werden, um einen Mangel an Selbstliebe zu kompensieren.

Sie haben in Ihrem Buch bezaubernde Vorlesegeschichten, mit Hilfe derer wir mit unseren Kindern über schwierige Themen ins Gespräch kommen können. Können Sie uns bitte ein paar Beispiele nennen?

Bei den Vorlesegeschichten geht es um kleine Geschichten, die schwierige Situationen und entsprechende Gefühle in kindgerechten Geschichten „eingepackt“ thematisieren. In der Geschichte „Vom Hinfallen und Wiederaufstehen“ geht es um Misserfolg, peinliche Gefühle darüber und die Frage wie man damit umgehen kann – eben wie man nach einem Fall wieder aufsteht, statt sich zurückzuziehen und keine Herausforderung mehr anzunehmen.

Bei „Der Angsthase im Paket“ geht darum, dass jedes Kind irgendeine Schwäche hat – ein Kind ist ängstlich, das andere verträumt, wieder ein anderes wird leicht wütend. Es geht darum, sich mit all seinen Seiten anzunehmen und zu versuchen, den Schwächen nicht zu viel Platz einzuräumen. In „Folge deinen Träumen“ wird die Bedeutung der eigenen inneren Stimme und der Glaube an die eigene Vision thematisiert. Es sind Geschichten, über die man mit seinen Kindern spielerisch einen Einstieg zu diesen Themen finden kann.

Sie schreiben in Ihrem Buch von der „Schatzsuche“… Wie können wir Kindern beim Entdecken und Entwickeln ihres Selbst unterstützen?

Damit Kinder ein Selbstbewusstsein entwickeln können, müssen sie sich ihres Selbst bewusst sein. Dieses Bewusstsein unterstützen Eltern indem sie ihrem Kind altersgerecht viele Entscheidungen überlassen. So wird es angeleitet über sich nachzudenken und herauszufinden, was es mag, was es nicht mag, was ihm wichtig ist und was nicht so sehr. Bewusstsein entsteht über Sprache. Hilfreich ist es, wenn Eltern schon ihre kleinen Kinder dabei unterstützen ein Narrativ über sich zu entwickeln, also viel mit ihnen über sie selbst zu reden, so dass der Prozess der Entwicklung eines positiven Selbstbildes unterstützt wird: Mit meinem Opa werkel ich gern in der Holzwerkstatt…Am liebsten spiele ich mit meinem Bagger in der Sandkiste…Ich kann gut klettern…

Sie empfehlen, Kindern eine Stimme zu geben. Was genau meinen Sie damit?

Wenn wir Erwachsenen unseren Kindern eine Stimme geben, erhalten sie Gelegenheiten, zu üben, ihre Meinung zu äußern, zu belegen und zu verteidigen. Es tut Kindern gut, wenn wir ihnen vermitteln, dass ihre Ansichten wichtig sind, deshalb sollten wir Interesse zeigen und dem, was sie sagen, Aufmerksamkeit schenken. Wenn Eltern den Äußerungen ihres Kindes Bedeutung und Wert beimessen und dies durch ihre Zugewantheit zeigen, wird es lernen, dass das, was es zu sagen hat, wertvoll ist. Es wird durch das wertschätzende- Verhalten seiner Eltern lernen, sich selbst Wert zu schenken. Darüber hinaus wird es an Sicherheit gewinnen, denn je mehr ein Kind Gelegenheiten dazu hat, sich zu artikulieren, desto geübter und selbstverständlicher wird es darin. Es ist deshalb wertvoll, sein Kind immer wieder anzuregen, seine Meinung zu äußern, und es danach zu fragen. Das kann zu allen möglichen Angelegenheiten des Alltags geschehen, je nach Alter des Kindes.

  •      Meinst du, der Schnee wird nachher so hoch sein, dass wir zusammen einen Schneemann bauen können?
  •      Findest du es schöner, wenn wir einen Blumenstrauß nur mit einer Blumensorte pfücken oder mit vielen verschiedenen?
  •      Meinst du, Hunde lächeln, wenn sie mit dem Schwanz wedeln?

Oft sind wir so mit unseren eigenen Erwachsenen-Themen beschäftigt, dass wir wertvolle gemeinsame Zeit ungenutzt lassen. Spricht unser Kind uns an, hören wir häufig nur mit halbem Ohr hin und antworten entsprechend unkonzentriert. Dabei bietet der Alltag wunderbare Möglichkeiten, um sich miteinander auszutauschen.

Liebe Ulrike Döpfner! Tausend Dank für das spannende Gespräch!
Maria Burges