Foto:  KJF Augsburg / Kathrin Ruf

Smartphones sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Längst sind die Geräte weit mehr als nur mobile Telefone. Mit ihnen werden Fotos gemacht, Videos gedreht oder angeschaut, die neuesten Hits gehört, Nachrichten mit Freunden ausgetauscht, im Internet recherchiert, Spiele gespielt und vieles mehr.

„Oft kommen Eltern in die Erziehungsberatung und sehen das Thema Mediennutzung ihrer Kinder und Jugendlichen sehr technokratisch“, berichtet Michael Leicht von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung. „Ihre Frage lautet dann meist: Wie viele Minuten sind denn nun genug pro Tag? Doch gerade weil das Smartphone heute so ein vielfältiges Gerät ist, sind allgemeingültige Regeln für dessen Nutzungsdauer schwierig aufzustellen.“


Stattdessen ist es dem KJF Erziehungsberater wichtig, bei den Eltern Verständnis für die junge Generation zu vermitteln: „Sie tun heutzutage nichts anderes als auch die Generationen zuvor – sie hören Musik, fotografieren, schreiben sich mit ihren Freunden, spielen – nur tun sie das heute eben alles gebündelt mit einem Gerät“, erklärt Michael Leicht. „Darum ist ein genereller Smartphone-Entzug als Strafe auch so gravierend, weil alle Lebensbereiche lahmgelegt werden.“

Allgemein empfohlene Richtwerte für eine tägliche Mediennutzung sind seiner Erfahrung nach weit jenseits dessen, was in der Realität stattfindet. Darum ist Michael Leicht der Meinung: Ziel der Erziehung sollte sein, dass Kinder eine Ausgewogenheit in ihrem Alltag erleben – dazu gehören neben der Schule auch reale soziale Kontakte, körperliche Bewegung, verschiedene Freizeitaktivitäten und ausreichender Schlaf. Innerhalb dieser Mischung gehört die Mediennutzung in einer Balance dazu. „Eine solche Ausgewogenheit finde ich wichtiger, als die Frage, ob der Nachwuchs 15 Minuten länger ins Handy schaut, als man eigentlich vereinbart hat. Schließlich macht es auch einen Unterschied, ob er gerade seit zwei Stunden in einer Videokonferenz des Jugendparlaments seiner Gemeinde einen neuen Skateplatz plant oder ein Computergame spielt“, so der KJF Erziehungsberater.

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Außerdem sei es laut Michael Leicht wichtig, dass Eltern ihrem Nachwuchs von Anfang an Medienkompetenzen vermitteln. Schließlich würde man Kindern auch die Regeln im Straßenverkehr erklären und mit ihnen üben, bevor man sie das erste Mal alleine zur Schule radeln lässt. Daher sieht der KJF Erziehungsberater es auch als pädagogischen Auftrag, Kinder und Jugendliche für Gefahren und Risiken der Mediennutzung zu sensibilisieren. Medienkompetenz umfasst verschiedene Aspekte, zum Beispiel die Kompetenz, einschätzen zu können, welche verlässlichen Quellen etwa für die Recherche für Schularbeiten genutzt werden sollten. Ebenso brauchen Jugendliche aber auch ganz praktisches, technisches Wissen, etwa dazu, wie sie ihre Privatsphäre in sozialen Medien schützen.

Konkrete Tipps des KJF Erziehungsberaters zum Thema Mediennutzung:

  • Sich aktiv informieren: Um dem Nachwuchs die oben genannte Medienkompetenzen vermitteln zu können, müssen sich Eltern selbst informieren und auf dem Laufenden bleiben. Zum Beispiel bieten Elternabende in Schulen oder Vorträge von Erziehungsberatungsstellen gute Möglichkeiten. Auch im Internet findet man hierzu natürlich Informationen, zum Beispiel unter www.klicksafe.de oder www.schau-hin.infowww.internet-abc.de und www.mediennutzungsvertrag.de 
  • Medienfreie Zeiten festlegen: Leichter als Mediennutzungszeiten festzulegen, ist es laut dem KJF Erziehungsberater medienfreie Zeiten zu vereinbaren. Sehr gut dazu geeignet sind beispielsweise gemeinsame Mahlzeiten, während derer der Fernseher ausgeschaltet bleibt und alle Familienmitglieder – also auch die Erwachsenen – ihre mobilen Geräte weglegen. Generell gilt: Wenige einfache Regeln sind besser für den Familienfrieden als viele zu komplizierte.
  • Im Gespräch bleiben: Wo bewegt sich unser Nachwuchs eigentlich in der digitalen Welt und warum? Eltern sollten sich damit auseinandersetzen – ohne die Kinder und Jugendlichen dabei zu überwachen. Besser ist es, Interesse dafür zu zeigen, was die jungen Menschen fasziniert und warum. So kann man sich auch darüber austauschen, wie jeder sein Medienverhalten aktiv positiv gestalten kann und wie man vermeidet, unerlaubte und strafbare Dinge zu tun – etwa Hassrede zu verbreiten. Durch solche Gespräche signalisieren Eltern ihren Kindern auch, dass sie als Gesprächspartner zur Verfügung stehen, wenn dem Nachwuchs etwas begegnet, was sie verunsichert.
  • Auf Warnsignale achten: Natürlich können Medien ebenso wie auch Nikotin oder Drogen süchtig machen. Ein wichtiges Kriterium bei allen Süchten: Es kommt mit der Zeit zu einem gewissen Kontrollverlust und dieser hat Auswirkungen auf den Alltag. Warnsignale können sein: gravierend schlechtere Schulleistungen, sozialer Rückzug, Vernachlässigung anderer Aktivitäten wie etwa des Trainings im Sportverein oder Formen von Entzugserscheinungen wie Anspannung oder Wut, wenn man damit aufhören soll. Wenn die Jugendlichen ihr Leben in die Spielerei einbauen statt umgekehrt, ist sicherlich ein gesundes Maß überschritten und die Eltern sollten professionelle Hilfe suchen.
  • Die Chancen sehen: Die Digitalisierung bietet viele neue Möglichkeiten. Eltern dürfen auch die Chancen darin sehen, wenn ihre Kinder damit aufwachsen. Sie sollten darum die digitalen Medien nicht generell verdammen. Spätestens ab der fünften Klasse wird es von den Schulen auch erwartet, dass Jugendliche damit arbeiten und beispielsweise für Referate selbstständig im Internet recherchieren. Darum ist es wichtig, den jungen Menschen ein Rüstzeug mit auf den Lebensweg zu geben, damit sie sich allein sicher und bewusst in der digitalen Welt bewegen können und wissen, wen sie um Hilfe fragen können.


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