Foto: KJF Augsburg / Carolin Jacklin

Schulschließungen, Distanzunterricht, Quarantäne: Die vielen Monate ohne geregelten Schulalltag haben sich sowohl auf das soziale Miteinander als auch auf das Lernen der Kinder und Jugendlichen negativ ausgewirkt. Die Folgen: Lernrückstände und ein damit einhergehender immenser Leistungsdruck, der auf den Schülerinnen und Schülern lastet. Darum gilt zunächst einmal für Eltern mit schulpflichtigen Kindern: „Druck aus dem Thema nehmen. Man kann diese Masse an verlorener Zeit nicht einfach nebenher aufholen“, weiß Diplom-Heilpädagogin und Lerntherapeutin Gabriele Griehl von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung.

„Man muss herausfinden, auf welche Fächer man sich konzentriert und die Kinder in ihrer Lernstruktur unterstützen.“, so Griehl weiter. Auch kann es hilfreich sein, mit Hilfe einer Lerntherapeutin oder eines Lerntherapeuten gezielt Lern- und Entspannungstechniken anzuwenden, die den Schulalltag und den Druck in Prüfungssituationen erleichtern.


Foto @ KJF Augsburg/privat

Gabriele Griehl
Diplom-Heilpädagogin und Lerntherapeutin bei der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung.


Tipps gegen Lernrückstände:

1. Verständnis haben: 

Auf keinen Fall hilft es, wenn Eltern ihrem Nachwuchs wegen schlechter Noten im Zwischenzeugnis Vorwürfe machen. Die Schülerinnen und Schüler brauchen jetzt ganz besonders Verständnis und Trost. An den aktuellen Lernrückständen hat niemand konkret Schuld, vielmehr geht es allen Kindern und Jugendlichen gleich. Nur die Ressourcen, wie mit der Situation umgegangen wird, sind je nach Familie, Klasse oder Schule unterschiedlich verteilt.

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2. Überblick verschaffen: 

Erst einmal ist es wichtig, sich einen Überblick über bestehende Lernrückstände zu verschaffen und diese realistisch einzuschätzen: Wie sind diese im Vergleich zu den anderen Schülerinnen und Schülern der Klasse? Wie viele sind davon betroffen? Dafür ist es wichtig, dass die Eltern mit der Schule beziehungsweise der Fach- oder Klassenlehrkraft in Kontakt treten und auch genau besprechen, was die Schule bereits unternimmt oder welche verschiedenen Lösungsansätze es geben kann. So ist beispielsweise durch das bayerische Kultusministerium ein Förderprogramm mit dem Titel „gemeinsam Brücken bauen“ aufgelegt worden, vielleicht bietet die jeweilige Schule darüber Unterstützung an?

3. Etappenziele setzen: 

Wenn der Berg zu groß ist – sprich der Lernstoff zu viel und unübersichtlich – muss er, nachdem man sich zunächst einen Überblick verschafft hat, in einem zweiten Schritt portioniert werden. Hilfreich ist ein konkreter Plan, der für jedes Fach auflistet, welche Themenbereiche, Kapitel im Lehrbuch oder welche Vokabeln nachgearbeitet werden sollten. Wichtig ist es, den Stoff realistisch einzuteilen und sich auf einzelne (Haupt-)Fächer, die für das Weiterkommen oder die Abschlussprüfung entscheidend sind, zu fokussieren. Während eines mehr oder weniger normalen Schulalltags ist es definitiv nicht möglich, viel Zeit für zusätzliches Lernen einzuplanen. Darum ist es wichtig, das eigene Kind und seine Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Es zusätzlich mit zu ambitionierten Etappenzielen zu überfordern und damit den nächsten Frust zu produzieren, ist absolut kontraproduktiv.


4. Gezielt Hilfe suchen: 

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, gezielt in einem oder zwei Fächern Nachhilfestunden zu nehmen oder zusammen mit anderen Familien eine Lerngruppe zu initiieren. Fündig wird man auf der Suche nach Nachhilfelehrerinnen oder -lehrern zum Beispiel unter Studierenden. Auch die Schulen können dabei weiterhelfen.


5. Mut machen: 

Eltern sollten ihren Kindern Mut machen, und den Blick immer darauf werfen, was schon klappt oder in welchem Fach das Kind gut ist. Dabei helfen kann ein sogenanntes Positiv- oder Dankbarkeits-Tagebuch. Jeden Abend schreibt man sich drei Dinge auf, die an diesem Tag gut gelaufen sind, auf die man stolz ist, oder was man schon geschafft hat. Auch das Einführen von Mutsätzen, zum Beispiel für Tage mit Schulaufgaben, können unterstützen: Die Schülerinnen und Schüler sagen sich dann etwa Sätze wie „Ich werde es schaffen“ oder „Ich habe mich gut vorbereitet“ ganz bewusst immer wieder im Geiste vor. Auch hilfreich: Sich vor einer anstehenden Prüfung gezielt an eine Situation zurückerinnern, in der man ein Erfolgserlebnis hatte. Wenn man solche Erinnerungen abrufen kann, aktiviert das die eigenen Ressourcen.


6. Für Ausgleich sorgen: 

In der Familie sollte sich nicht alles nur noch um die Themen Schule, Noten und Lernen drehen. Die körperliche und emotionale Gesundheit ist wesentlich wichtiger als Noten in einem Zwischenzeugnis und ein wiederholtes Schuljahr.

Info:


Berater*innen der KJF Beratungsstellen geben Rat – über die anonyme Online-Beratung der Caritas unter www.caritas.de/onlineberatung sowie die der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) unter https://bke-beratung.de 


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