Foto: KJF Augsburg/Carolin Jacklin

„Ich habe das Gefühl, dass ich gerade mein Leben verpasse!“ So berichten Jugendliche derzeit Friederike Krisch und ihrem Team von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung häufig von ihren Einsamkeitsgefühlen nach einem Jahr Corona-Pandemie. Gerade Jugendliche leiden unter den anhaltenden Kontaktbeschränkungen: Sie können sich nicht mit Freunden treffen, nicht feiern gehen, niemanden kennenlernen, sich nicht ausprobieren, sich nicht entdecken oder verlieben. „Es fehlen ganz viele Erlebnisse. Die meisten haben überhaupt keine Abwechslung mehr in ihrem Alltag, man hält sich immer nur an einem Ort auf, bekommt keine neuen Anregungen von außen, leidet unter Einsamkeit“, erklärt die Erziehungsberaterin.

Und auch wenn jüngere Kinder ihre Probleme oft nicht direkt äußern, leiden auch sie. Eltern merken das beispielsweise daran, dass sie ihren Nachwuchs als anstrengend empfinden, weil die Kinder viel Kontakt und Aufmerksamkeit suchen, keine eigenen Ideen haben, sich zu beschäftigen oder aggressiv werden. Bei manchen Kindern treten auch eher somatische Beschwerden, wie Bauchschmerzen oder Schlafprobleme auf. „Und auch den Eltern fällt es zunehmend schwer, noch Ideen zu entwickeln, die Abwechslung oder gar Leichtigkeit in den ewig gleichen Familienalltag bringen. Für uns alle ist die Corona-Pandemie zu einer langen Durststrecke geworden“, so Friederike Krisch.

Doch gerade mit Blick auf das anstehendende Osterfest will die Erziehungsberaterin Familien ermutigen, Pläne zu schmieden, um sich auf etwas freuen zu können und als Familie gemeinsam Spaß zu haben. „Zwar werden das zweite Jahr in Folge keine Verwandtschaftstreffen, keine Ausflüge oder Urlaubsreisen zu Ostern möglich sein, aber Familien können gemeinsam überlegen, wie man neue Rituale entwickeln oder bewährte in einer veränderten Form beibehalten kann.“ Außerdem rät die Erziehungsberaterin unbedingt dazu, eine Pause vom Thema Schule und Lernen zu machen – zumindest am langen Osterwochenende, besser noch die kompletten Osterferien, wenn nicht gerade danach Abschlussprüfungen anstehen. „Pausen sind wichtig, um danach wieder erholter und effektiver arbeiten zu können“, so Friederike Krisch.

Tipps der KJF Erziehungsberaterin:

Was Eltern gegen die Corona-Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen tun können:

  •  Verständnis zeigen und zuhören: Das Thema Einsamkeit darf sein und ist für Kinder jeden Alters sehr real spürbar. Als Eltern sollten Sie daher nicht versuchen, Ihrem Nachwuchs diese Gefühle auszureden oder sie herunterzuspielen, sondern stattdessen nachfragen, zuhören, Verständnis zeigen. Übrigens: Nur weil ein Kind oder Jugendlicher sich nicht aktiv beschwert oder nach seinen Freunden fragt, heißt das nicht, dass er nicht leidet.
  •  Gesprächspartner finden: Für Jugendliche sind meist nicht mehr die Eltern die ersten Ansprechpartner bei Problemen, sondern eher die beste Freundin oder der beste Freund. Bleiben Sie als Eltern tolerant, wenn sich Ihr Nachwuchs beispielsweise bei stundenlangen Telefonaten mit Freunden austauscht.
  • Alternativen zu realen Treffen entwickeln: Manche Jugendliche sind im Moment sehr kreativ, um trotz Kontaktbeschränkungen mit ihrer Clique in Kontakt zu bleiben. Zum Beispiel indem sie via Video-Anruf die Hausaufgaben oder ein Sportprogramm gemeinsam machen oder sich ohne Lehrer in eine Video-Konferenz am Nachmittag zum gemeinsamen Austausch verabreden. Andere Jugendliche dagegen brauchen vielleicht Ihre Unterstützung als Eltern dabei, um neue Formen des sozialen Kontakts zu finden.
  •  Anschub geben: Vor allem Jugendlichen fehlt oft die Energie, neue Dinge anzugehen oder auszuprobieren, die ihnen dann Spaß machen und gut tun. Darum dürfen Eltern ihren Sohn oder ihre Tochter durchaus sanft anschieben, einen Spaziergang oder eine Radtour mit einer Freundin oder einem Freund oder einen Online-Sportkurs in die Tat umzusetzen. Gerne danach daran erinnern, regelmäßig solche Verabredungen einzuhalten.
  • Glückshormone aktivieren: Überlegen Sie, was Ihr Kind gut kann oder sehr gerne macht und bauen sie diese Fähigkeiten und Interessen aktiv in den Tag ein. Zum Beispiel kann man mit Video-Tutorials neue Tanzschritte einstudieren oder ein neues Handwerksprojekt suchen.
  •  Professionelle Hilfe holen: Wenn sich Kinder oder Jugendliche immer mehr zurückziehen, anhaltende körperliche Symptome wie Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit auftreten, die keine medizinische Ursache haben, oder sie selbst Belastungen äußern, für die sie keine eigene Lösung wissen, finden Eltern, Kinder und auch Jugendliche ohne Begleitung ihrer Eltern professionelle, schnelle und kostenlose Hilfe bei der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung. Berichten Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter von dieser Möglichkeit!

Die KJF Beratungsstellen bieten neben persönlichen Gesprächen unter Wahrung der stets aktualisierten Hygiene- und Abstandsregelungen, auch Telefonberatungen sowie Videoberatungen oder -konferenzen für alle Familienmitglieder. Zusätzlich können die Beraterinnen und Berater der KJF Beratungsstellen über die anonyme Online-Beratung (www.caritas.de/onlineberatung) kontaktiert werden. Eine Besonderheit in Corona-Zeiten: Es können Beratungsgespräche, soweit sinnvoll und unter Wahrung des Datenschutzes möglich, auch im Freien bei einem Spaziergang durchgeführt werden.

Alle Standorte und Ansprechpartner unter www.kjf-kinder-jugendhilfe.de/erziehungsberatung


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