Maren Lohrer ist Mama, Autorin und glückliches Mitglied einer Patchworkfamilie. Doch mit der neuen Liebe plus Anhang kommen nicht nur Romantik und Familienfreuden sondern auch neue Fragen und Herausforderungen. Viele Dinge gilt es zu regeln, als Patchworkpaar. Als Wirtschaftsredakteurin und Trainerin für Verbraucherbildung wollte Maren Lohrer den Sachen fundiert auf den Grund gehen. Aus ihren Erkenntnissen wurde nun ein wertvoller Ratgeber für Patchworkfamilien. Und wir haben uns mit ihr unterhalten:

Patchwork ist heutzutage fast alltäglich. Es klingt herrlich romantisch, aber es gibt auch Herausforderungen.

Patchwork ist auf jeden Fall ein Abenteuer. Und wer sich darauf einlässt, muss einiges regeln. Denn Patchwork ist zwar alltäglich, wie Sie sagen. Doch wird diese Familienform oftmals „stiefmütterlich“ behandelt. In der amtlichen Statistik kommen Patchworkfamilien erst gar nicht vor, im Erbrecht auch nicht. Sie sind von einigen staatlichen Hilfen ausgeschlossen. Zudem ist das Beziehungsgefüge komplex: Es gibt mehr Reibungspunkte, mehr Sachen, die geregelt werden müssen, die man jedoch nicht alleine in der Hand hat – Zusammenspiel dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin.

Bei Geld hört die Liebe schnell auf. Worauf sollten Patchwork-Eltern unbedingt von Anfang an achten?

Es ist sicherlich gut, wenn Geldthemen besprochen werden, damit sich dort keine Konflikte entzünden. Wie soll die Haushaltsführung geregelt werden? Will man ein gemeinsames oder lieber getrennte Konten? Wie werden die Kosten aufgeteilt, wer kommt für welches Kind auf? Wer zahlt Sonderausgaben, etwa das teure Smartphone der Tochter aus erster Ehe? Alle Ausgaben zu halbieren scheint zwar oft die einfachste Lösung, es muss aber nicht die fairste sein. In die Rechnung einbezogen gehören auch unentgeltliche Arbeiten im Haus und bei der Erziehung und Betreuung der Kinder.


Foto: © VSB e.V.

Maren Lohrer
Autorin & Patchworkmama

Patchworkfamilie
Meins. Deins. Unser.
So regeln Sie Geld- und Rechtsfragen.
Verlag: Verbraucherzentrale NRW
ISBN 978-3863361402


Was raten Sie in puncto Konto?

Oft ist die sogenannte Dreikontenlösung gut geeignet – d.h. ein gemeinsames und zwei persönliche Konten. Beide Partner behalten also ein eigenes Konto, auf das Einnahmen wie Gehalt, Kindergeld und eventuell Unterhalt oder Mieteinnahmen eingehen.

Die gemeinsamen Ausgaben wie beispielsweise Miete, Lebensmittel, Versicherungen werden von dem dritten Konto bezahlt, das als Haushaltskonto dient. Hierfür eignet sich ein sogenanntes Oder-Konto, über das beide einzeln verfügen können. Wie viel jeder auf das gemeinsame Konto einzahlt, sollten die Partner verhandeln.

Wer erbt was in einer Patchworkfamilie ohne Trauschein?

Im gesetzlichen Erbrecht kommt die Patchworkfamilie nicht vor. Ohne einen letzten Willen erben der Partner und die Kinder, die er mit in die Beziehung brachte, nichts. Werden sie im Testament bedacht, liegt der Freibetrag wie bei fremden Erben bei nur 20 000 Euro. Sinnvoll können hier Lebensversicherungen sein, wenn ein Partner den jeweils anderen über seinen Vertrag versichert.

Und wie sieht es aus, wenn die Partner miteinander verheiratet sind?

Hier erben der Partner und die Kinder des Verstorbenen. Die Stiefkinder werden in der gesetzlichen Erbfolge jedoch nicht bedacht – sie gehen leer aus. In Patchworkfamilien ist es daher sehr wichtig, sich Gedanken zu machen, wie die Partner sich und die Kinder absichern können und sich anwaltlichen Rat einzuholen.

„Du hast mir nichts zu sagen!” Wie gehen wir damit um, wenn die Kinder des anderen bocken?

Haben sich Alleinerziehende neu verliebt, so wünschen sie sich, dass auch ihre Kinder den neuen Partner bzw. die neue Partnerin gern haben. Dies gilt besonders, wenn man zusammenzieht. Doch den Kindern fällt dies mitunter schwer. Und so kann das Thema Erziehung in der Patchworkfamilie für Reibereien sorgen. Im Alltag betreut schließlich auch der neue Partner die Kinder. Am besten sprechen die Partner das Thema früh an – und treffen auch klare Vereinbarungen miteinander. Diese sollten auch den Kindern mitgeteilt werden, damit Sprüche wie „Du hast mir gar nichts zu sagen!“ erst gar nicht aufkommen. Geduld, Einfühlungsvermögen, Toleranz sind gefragt – und werden vielfach auf die Probe gestellt.

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