Endlich Ferien! Der Schulranzen landet in der Ecke, die letzten Klassenarbeiten sind geschrieben und morgens klingelt kein Wecker. Für Kinder bedeutet das: ausschlafen, spielen, Freunde treffen, reisen und einfach mal frei haben. Doch viele Eltern kennen diese Frage: Soll mein Kind in den Ferien lernen oder sind die Ferien wirklich nur zum Erholen da? Die Antwort ist nicht ganz einfach. Denn während Ferien für Kinder vor allem eine wichtige Pause vom Schulalltag sein sollten, kann ein bisschen Lernen in den Ferien durchaus sinnvoll sein. Entscheidend ist die richtige Mischung.

Ferien sind wichtig für die Erholung

Nach einem langen Schuljahr haben Kinder eine Pause verdient. Unterricht, Hausaufgaben, Tests und der tägliche Leistungsdruck kosten Energie. Ferien bieten die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen, neue Kraft zu sammeln und einfach Kind zu sein.

Gerade freie Zeit ist wichtig für die Entwicklung. Beim Spielen, beim Treffen mit Freunden, auf Reisen oder bei gemeinsamen Familienaktivitäten lernen Kinder ebenfalls – auch wenn kein Schulbuch auf dem Tisch liegt. Sie entwickeln Kreativität, Selbstständigkeit und soziale Fähigkeiten. Deshalb sollten Ferien nicht zu einer verlängerten Schulzeit werden. Wer sein Kind sechs Wochen lang jeden Tag stundenlang üben lässt, erreicht oft das Gegenteil: Frust, Streit und noch weniger Motivation für das neue Schuljahr.

Warum Lernen in den Ferien trotzdem sinnvoll sein kann

Ganz ohne Wiederholung kommen viele Kinder allerdings auch nicht aus. Besonders die Sommerferien sind lang. Gerade bei wichtigen Grundlagen wie Lesen, Schreiben, Kopfrechnen oder Vokabeln kann es helfen, regelmäßig kleine Lernimpulse zu setzen.

Dabei geht es nicht darum, den gesamten Schulstoff vorzuarbeiten. Viel wichtiger ist es, vorhandenes Wissen zu festigen und Sicherheit zu gewinnen. Ein Kind, das regelmäßig liest, verbessert ganz nebenbei seinen Wortschatz und seine Rechtschreibung. Wer beim Kochen Mengen abwiegt oder beim Einkaufen Preise vergleicht, übt Mathematik im Alltag. Lernen findet also nicht nur am Schreibtisch statt.

Für wen sind Ferienübungen besonders sinnvoll?

Nicht jedes Kind braucht ein Ferienprogramm. Wenn das Schuljahr gut gelaufen ist und dein Kind sicher in allen Fächern ist, reichen oft spielerische Lerngelegenheiten völlig aus. Anders sieht es aus, wenn:

  • dein Kind in einem Fach große Schwierigkeiten hatte,
  • wichtige Grundlagen fehlen,
  • Klassenarbeiten häufig schlecht ausgefallen sind,
  • ein Schulwechsel bevorsteht,
  • die Versetzung nur knapp geschafft wurde.

Dann können gezielte Übungen helfen, mit mehr Sicherheit ins neue Schuljahr zu starten.

Eltern beim Lernen in den Ferien mit ihrem Kind

Ferienlernhefte: Eine einfache Möglichkeit zum Üben

Eine beliebte Lösung sind Ferienlernhefte. Sie bieten strukturierte Übungen und sind für viele Klassenstufen erhältlich. Wichtig ist: Das Heft sollte zum aktuellen Lernstand passen. Ein Kind, das gerade die dritte Klasse beendet hat, sollte Inhalte aus der dritten Klasse wiederholen – nicht bereits Aufgaben für die vierte Klasse bearbeiten. Bei älteren Schülerinnen und Schülern lohnt es sich, auf die jeweilige Schulform und das verwendete Niveau zu achten.

Auch die eigenen Schulbücher können eine gute Orientierung sein. Schau gemeinsam mit deinem Kind zurück: Welche Themen waren schwierig? Gab es bestimmte Grammatikregeln, Mathethemen oder Vokabelbereiche, bei denen Unsicherheit geblieben ist? Gezieltes Wiederholen bringt meist mehr als ein komplettes Arbeitsheft einfach Seite für Seite durchzuarbeiten.

Lieber kurze Lernzeiten als täglicher Streit

Beim Lernen in den Ferien gilt: Weniger ist oft mehr. Viele Kinder profitieren mehr von 15 bis 20 Minuten konzentriertem Üben als von langen Lerneinheiten, die mit Diskussionen beginnen und mit Tränen enden. Hilfreich kann sein, feste kleine Lernzeiten zu vereinbaren – zum Beispiel zwei- bis dreimal pro Woche am Vormittag. Danach ist der Kopf frei für Freibad, Freunde oder Ausflüge.

Wichtig ist auch: Beziehe dein Kind mit ein. Gemeinsam könnt ihr überlegen, was realistisch ist und welche Ziele erreicht werden sollen.

5 Ideen für 15 Minuten Ferienlernen

  1. Lesen: Ob Roman, Comic oder Sachbuch: Lesen trainiert Sprache, Konzentration und Vorstellungskraft. Lass dein Kind möglichst selbst auswählen, was es lesen möchte.
  2. Mathe im Alltag: Beim Einkaufen rechnen, beim Backen Mengen verändern oder beim Reisen Entfernungen schätzen – Mathematik steckt überall.
  3. Ein Ferienlernheft nutzen. Wähle ein Heft passend zur Klassenstufe und bearbeite lieber einzelne Übungen mit Ruhe als möglichst viele Seiten unter Druck.
  4. Schwächen gezielt verbessern: Nicht alles muss wiederholt werden. Konzentriere dich auf die Themen, die wirklich Schwierigkeiten gemacht haben.
  5. Lernen durch Erlebnisse: Ein Museum, ein Ausflug, ein Reisetagebuch oder ein eigenes kleines Projekt fördern Wissen und Selbstständigkeit.

Was tun bei gefährdeter Versetzung oder Nachprüfung?

Manche Familien stehen vor einer besonderen Situation: Das Kind hat das Schuljahr nur knapp geschafft oder muss nach den Ferien eine Nachprüfung ablegen.

Nachprüfungen gibt es in Deutschland weiterhin, allerdings unterscheiden sich die Regeln je nach Bundesland und Schulform. Sie können Schülerinnen und Schülern unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen, doch noch versetzt zu werden oder einen Abschluss zu erreichen.

Wenn eine Nachprüfung ansteht, reicht ein bisschen Ferienlernen meist nicht aus. Dann kann eine gezielte Vorbereitung sinnvoll sein – entweder gemeinsam mit den Eltern, mit einer Lehrkraft oder durch Feriennachhilfe.

Auch hier gilt: Ein realistischer Plan ist wichtiger als stundenlanges Pauken. Sinnvoller sind regelmäßige Einheiten mit klaren Schwerpunkten: Welche Themen müssen sitzen? Welche Aufgabenformate kommen vor? Wo braucht das Kind noch Unterstützung?

Lernen in den Ferien – ja, aber mit Gefühl

Die Ferien gehören den Kindern. Sie brauchen Zeit zum Erholen, Spielen und Abschalten. Gleichzeitig kann ein bisschen Lernen in den Ferien helfen, Wissen zu festigen und sicherer ins neue Schuljahr zu starten.

Die beste Lösung ist eine ausgewogene Mischung: viel freie Zeit, schöne Erlebnisse und kleine Lernmomente ohne Druck.

Denn am Ende zählt nicht, wie viele Arbeitsblätter dein Kind in den Ferien geschafft hat. Entscheidend ist, dass es mit Freude, Selbstvertrauen und neuer Energie zurück in die Schule startet.

Autorin: Kirsten Hemmerde

Bilder: Pexels / Sofatutor und Gustavo Fring

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