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Immer mehr Kinder leiden unter Übergewicht. Bewegungsmangel und falsches Essen sind die Hauptursachen.

Jeder 16. Junge und jedes 18. Mädchen in Deutschland ist übergewichtig. Das hat eine neue Studie der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ergeben. Vor allem während der Corona-Pandemie hat demnach die Zahl der von extremem Übergewicht betroffenen Kinder dramatisch zugenommen. Demnach stieg die Zahl der Adipositas-Diagnosen im Jahr 2021 bei den 6- bis 18-Jährigen um rund elf Prozent im Vergleich zu 2019. Bei den 15- bis 18-jährigen Jungen waren es 19 Prozent, bei den Mädchen 12 Prozent.

Pandemie hat das Problem Übergewicht verstärkt

„Homeschooling mit stundenlangem Sitzen vor dem PC, fehlender Sportunterricht, kaum Treffen mit Freunden, geschlossene Sportstätten – die Pandemie mit all ihren Kontaktbeschränkungen hat das Leben vieler Kinder und Jugendlicher lange Zeit aus dem Lot gebracht und Inaktivität gefördert“, sagt Dr. Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen bei der KKH. „Das war ein Einfallstor für Ersatzhandlungen, um Frust, Stress und Einsamkeitsgefühle zu kompensieren.“ Diese Ersatzhandlungen bestanden zum Beispiel in stundenlangem Sitzen vor PC oder Smartphone anstatt sich zu bewegen. Auch der schnelle Griff zu Schokolade, Chips oder Softdrinks kam häufiger vor.

Gravierende gesundheitliche Folgen

Mit diesen Zahlen gehört Adipositas zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. „Dieser Trend ist dramatisch, denn im Kindesalter werden die Grundsteine für eine gute Gesundheit im Erwachsenenalter gelegt“, so Dr. Aileen Könitz. Extremes Übergewicht in jungen Jahren kann schwere gesundheitliche Konsequenzen haben. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Gelenkverschleiß und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem, so Könitz, leide oft auch die Psyche übergewichtiger Kinder: „Diskriminierung und Mobbing wegen ihres Körpergewichts gehören für viele von ihnen zum Alltag. Ausgrenzung zu erfahren, schwächt nicht nur das Selbstwertgefühl und mindert die Lebensqualität, sondern kann zu psychischen Erkrankungen wie Ängsten oder einer Depression führen.“

Prävention ist bei Übergewicht besonders wichtig

Könitz appelliert an die Eltern, sich ihrer Vorbildfunktion bewusst zu werden. Wenn sie ihrem Kind eine gesunde Ernährungsweise vorleben, ist das das beste Mittel zur Prävention. Der Tipp der Ärztin: „Schaffen Sie bei Ihrem Kind ein Bewusstsein für die Risiken von Übergewicht und die persönliche Verantwortung für die eigene Gesundheit. Machen Sie Ihrem Kind klar, wie wichtig eine achtsame Lebensweise ist, um krankhaftes Übergewicht zu vermeiden. Unterstützen Sie es dabei, gesunde Verhaltensweisen zu erlernen und dauerhaft zu praktizieren.“ Sie empfiehlt, bei Unsicherheiten bezüglich des Gewichts den Kinderarzt zu konsultieren. Denn es sei wichtig, diese Risiken frühzeitig zu bemerken. Um Übergewicht aktiv anzugehen, gibt es zahlreiche Hilfsangebote und Einrichtungen.

Autorin: Kirsten Hemmerde


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