Tabletten, Tabak & Tollkirsche: Vergiftungsrisiko vor allem für die Jüngsten hoch

Fängt ein Kind an zu krabbeln und zu laufen, beginnt es, die Umgebung zu erkunden, in Schubladen und hinter Schranktüren zu schauen oder Pflanzen auf Balkon und Terrasse zu entdecken. Nicht immer können Eltern ihre Schützlinge dabei im Blick haben. So kann es schnell passieren, dass Kinder mit schädlichen Substanzen in Kontakt kommen, die zu einer Vergiftung führen können.

Genussmittel, Medikamente, Reinigungsmittel und Lampenöle zählen ebenso zu den Gefahrenquellen wie Farben und Lacke, flüssige Grillanzünder, Dünger, Antischädlings- und Pflanzenschutzmittel oder auch Giftpflanzen. Allein beim Giftinformationszentrum Nord – zuständig für die norddeutschen Bundesländer mit Sitz in Göttingen – wurden 2020 insgesamt rund 42.400 Vergiftungsfälle einschließlich Verdachtsfällen registriert. Mit 16.457 Fällen am stärksten vertreten ist die Gruppe der Ein- bis Vier-Jährigen. Viele Vergiftungen von Kindern ereignen sich im häuslichen Umfeld.

„Vor allem Kleinkinder sind neugierig und entdecken ihre Umwelt mit allen Sinnen, den Augen, Händen, aber auch dem Mund“, sagt Simone Riß von der KKH. „Dabei machen wir uns oft nicht bewusst, wie viele Dinge für Kinder in Haus und Garten gefährlich werden können.“ Die Palette ist breit, reicht von Rasierwasser und Nagellackentferner im Bad sowie Backofenspray und Spülmitteln in der Küche über Medikamente in Rucksack oder Nachttisch bis hin zu Knopfzellen, Alkohol und Zigaretten. Hinzu kommen giftige Stoffe, die durch Einatmen oder Hautkontakt Vergiftungsreaktionen hervorrufen können, wie Gase von Deo- und Haarspray oder paraffinhaltige Lampenöle, und – nicht zu vergessen – Pflanzen in Gärten, Parks und Wäldern. „Oft sind gerade die attraktiven Pflanzen mit ihren bunten Blättern, Blüten und Beeren die giftigsten“, so Riß. Dazu zählen Goldregen, Herbstzeitlose oder auch Tollkirsche.

„Die wichtigste Schutzmaßnahme vor einer Vergiftung seitens Eltern, Großeltern und älteren Geschwistern ist es, den Jüngsten zielgerichtet Aufmerksamkeit zu schenken und sie beim Entdecken ihrer Umwelt so oft wie möglich zu begleiten“, rät Simone Riß. Weitere Tipps für Mütter und Väter, um ihren Nachwuchs vor einer Vergiftung zu schützen:

  • Wasch-, Putz- und Autopflegemittel, Alkohol, Batterien oder auch Benzin unerreichbar und nicht sichtbar für Kinder aufbewahren! Schränke kindersicher abschließen und Schlüssel verwahren.
  • Nimmt ein Kleinkind nur eine Zigarette zu sich, kann das lebensbedrohend sein. Zigaretten daher nicht herumliegen lassen, und nicht vor Kindern rauchen.
  • Wegen des Verwechslungsrisikos gefährliche Mittel niemals in Wasserflaschen oder andere Lebensmittelbehälter umfüllen! 
  • Schon kleine Dosen von Medikamenten für Erwachsene bergen für Kinder ein hohes Gesundheitsrisiko. Daher sämtliche Arzneien kindersicher aufbewahren.
  • Für alle mit Balkon, Terrasse oder Garten: Überlegen Sie, ob Sie statt Eibe, Efeu, Eisenhut und anderen Giftpflanzen ungiftigen Ersatz pflanzen. Eventuell auch auf Zimmerpflanzen wie Amaryllis, Korallenstrauch oder Flamingoblume verzichten, so lange die Kinder klein sind.

Ist ein Kind trotz aller Vor- und Umsicht mit schädlichen Substanzen in Kontakt gekommen und zeigt es Vergiftungserscheinungen, unbedingt Ruhe bewahren. Zu den typischen Symptomen zählen je nach auslösender Substanz Blässe, Bauchschmerzen, Schwitzen, Unruhe, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu lebensbedrohlicher Atemnot und Bewusstlosigkeit. Soforthilfe und kompetente Beratung rund um die Uhr liefern die Giftnotrufzentralen in Deutschland. Hier erhalten Eltern umgehend ärztliche Beratung einschließlich Erste Hilfe-Maßnahmen, um rasch, ruhig und nach Anweisung richtig zu reagieren. Auf keinen Fall dem Kind Milch geben oder es zum Erbrechen bringen. Beides verschlimmert häufig den Zustand. Und bei lebensbedrohlichen Symptomen wie Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall den Notarzt unter 112 rufen. Wichtig zu wissen: Die meisten Vergiftungsunfälle verlaufen glimpflich.

Quelle: KKH


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