Die Corona-Pandemie hat das Leben aller gehörig durcheinander gebracht

Der neue Klassenlehrer, die angesagte Klamottenmarke, das aktuelle Video des Youtube-Stars, die im Freundeskreis beliebte Spiele-APP – die Welt war schon immer von einer gewissen Schnelllebigkeit und vielen Veränderungen geprägt. Die Corona-Pandemie brachte zusätzlich besonders starke Veränderungen.

„Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen, sich ständig ändernde Hygiene- und Verhaltensregeln – die Corona-Pandemie hat unsere eh schon sehr schnelllebige Welt gefühlt noch rasanter gemacht. Ständige Veränderungen beherrschen den Alltag seit mehr als eineinhalb Jahren“, sagt Diplom-Psychologin Friederike Krisch von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung. Besonders schwierig seien diese ständigen und zum Teil sehr einschneidenden Veränderungen für Kinder und Jugendliche. „Denn sich auf Veränderungen einstellen und diese gut meistern zu können, erfordert eine Menge Energie.

Wie schwer es manchmal ist, diese Energie in Pandemie-Zeiten aufzubringen, spüren derzeit ja auch wir Erwachsenen“, so die KJF Erziehungsberaterin. „Eltern sind besonders für kleinere Kinder die engsten Bezugspersonen und ein wichtiger Anker, an dem sich der Nachwuchs festhält und orientiert, gerade in schwierigen Zeiten.“ Zu erleben, dass die eigenen Eltern zeitweise überfordert und gestresst sind, kann Kinder verunsichern.


Sieben Tipps der KJF Erziehungsberaterin, wie Eltern ihre Kinder gut durch diese turbulenten Zeiten begleiten:

1. Aufmerksam sein: 

Jedes Kind ist und reagiert anders. Darum ist es wichtig, dass Eltern mit offenen Augen und Ohren für ihren Nachwuchs da sind und wahrnehmen, wie das Kind auf die jeweils aktuellen Veränderungen reagiert und mit der momentanen Situation der geltenden Corona-Regeln zurechtkommt: Gibt es Anzeichen, dass es überfordert ist? Braucht es meine oder anderweitige Unterstützung?

2. Übergänge gestalten: 

Veränderungen sind häufig mit Abschieden verbunden. Es hilft, diese Übergänge bewusst zu gestalten und ein Ende oder einen Neubeginn feierlich zu begehen – etwa wenn ein Klassenwechsel ansteht, ein Freund oder ein Freundin wegzieht…

3. Gefühle dürfen sein: 

Veränderungen können und dürfen traurig machen. Es hilft, mit den Kindern zu besprechen, woher die Traurigkeit kommt und dass diese sein darf. Auch Wut oder Trotz können ganz natürliche Reaktionen auf Überforderung sein. Je nach Alter der Kinder, sind sie sich selbst gar nicht über den Zusammenhang bewusst. Eltern sollten vermeiden, den Kindern Gefühle auszureden – wie beispielsweise den Ärger darüber die Freunde nicht treffen zu können. Besser: Als Erwachsener versuchen, die Chance darin zu sehen, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Beziehung zu stärken.

4. Alle Lebensbereiche im Blick haben: 

Wenn Kinder sehr gefordert sind, sich an neue Situationen – wie etwa den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht oder andere Betreuungssituationen im Kindergarten – anzupassen, fehlt ihnen die kognitive Ressource, um sonstige Lernaufgaben zu bewältigen. Das gilt natürlich besonders auch für die Kindertagesstätte oder die Schule. Somit können schulische Schwierigkeiten oder Entwicklungsrückschritte darauf hinweisen, dass das Kind oder der Jugendliche in einem anderen Lebensbereich aktuell schlecht zurechtkommt.

5. Beziehungszeit tanken: 

Vor allem kleine Kinder brauchen in unruhigen Zeiten ganz besonders ihre Eltern und vertraute Bezugspersonen als Fels in der Brandung, an den sie sich im wörtlichen Sinne klammern können. Gerade dieses Anklammern deuten Eltern in Stresssituationen nicht immer richtig, weil sie selbst viel um die Ohren haben. Ideal wäre es, sich bewusst zu machen, dass kleinere Kinder jetzt ganz besonders viel Körperkontakt und Kuschelzeit brauchen, um sich wieder sicher zu fühlen.

6. Rituale in der Familie schaffen: 

Gerade in Zeiten, die im Außen sehr unstet sind, können Rituale und feste Strukturen innerhalb der Familie die Kinder und Jugendlichen stärken. Das können zum Beispiel bestimmte Zeiten sein, in denen das Kind ein oder beide Elternteile exklusiv für sich hat, in denen (vor-)gelesen wird oder man gemeinsam etwas unternimmt.

7. Selbstwirksamkeit stärken: 

In einer Situation völlig fremdbestimmt zu sein und keine Kontrolle zu haben, ist für Menschen jeden Alters krankmachend. Während der Corona-Pandemie entwickelten manche Jugendliche zum Beispiel ein problematisches Essverhalten, weil dieser Lebensbereich lange Zeit einer der wenigen war, den sie selbst noch unter Kontrolle hatten. Wenn sich viel verändert, ist es deshalb wichtig, dass Kinder und Jugendliche trotz allem selbst etwas bewirken und steuern dürfen. Eltern können mit ihnen gemeinsam auf Lösungssuche für drängende Probleme gehen und sie ganz bewusst auch im Familienalltag mitgestalten und entscheiden lassen.


Infos: www.kjf-kinder-jugendhilfe.de/erziehungsberatung


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