Wenn die Luft aus der Beziehung raus ist, schläft die Liebe ein. Der Anfang vom Ende? Nicht zwingend, meint Linda Mitterweger. Wir haben uns mit ihr unterhalten:

mampa:
Die meisten Paare scheitern an einer fehlenden Kommunikation. Wie schafft man eine gesunde Kommunikation? Wie schafft man es, eventuelle ungute Gefühle gleich zu besprechen und sie nicht in sich hineinzu“fressen“, bis man explodiert?

Linda Mitterweger:
Eine gute Grundlage für eine respektvolle und konstruktive Kommunikation bietet das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg. Kurz zusammengefasst behandelt das Konzept eine innere Haltung, die wir in der Kommunikation an den Tag legen sollten. Gespräche profitieren von einer zielführenden Haltung: Was möchte ich besprechen und was soll bestenfalls erreicht werden? Das kann eine Einigung oder ein Kompromiss sein.


Linda Mitterweger
© Stefan Mayr

Linda Mitterweger 
studierte Psychologie und bildete sich in Systemischer Beratung und Therapie weiter.

Heute betreibt sie eine eigene Online-Praxis für Paartherapie. Ihr erfolgreicher »Paartherapie Podcast«, der seit 2019 wöchentlich erscheint, wird monatlich über 10.000 Mal gehört. Sie ist Autorin von drei Büchern. Ihr neuestes:
Paartherapie für zu Hause.


Manchmal wollen wir einfach nur gehört werden. Diese Wünsche klar anzusprechen hilft den Partnern, einander das zu geben, was sie brauchen und sorgt so für Zufriedenheit. Grundsätzlich hilft es zudem, von sich selbst zu sprechen anstatt Anschuldigungen zu machen und unsere Beobachtungen und Gefühle zu schildern anstatt Interpretationen vorzubringen.

Um Missverständnisse zu vermeiden kann es zudem helfen, sich immer wieder rückzuversichern und nachzufragen, ob wirklich alles verstanden wurde. Wir neigen immer dann zu explosiven Ausbrüchen, wenn das Fass zu voll ist. Dagegen hilft, schon früher miteinander zu sprechen. Wenn es den Partnern nicht gelingt, Themen von sich aus anzusprechen, bietet sich vielleicht ein gemeinsamer Abend pro Woche an, an dem Wünsche geäußert und Vorschläge gemacht werden dürfen.

mampa:
Wie kann ein Partner das “Sprechen lernen”, wenn der oder sie grundsätzlich Scheu hat, Unbehagen auf den Tisch zu bringen?

Linda Mitterweger:
Es lohnt sich immer, einen Blick auf bisherige Erfahrungen zu werfen: Gab es einmal eine Situation, in der es dem Partner oder der Partnerin gelungen ist, Kritik oder Wünsche zu äußern? Was hat genau das in dieser Situation ermöglicht? Diese Information kann genutzt werden, um zukünftige Situationen zu gestalten.

Außerdem lernen wir durch positive Erfahrungen. Was hält den Partner oder die Partnerin noch zurück, Themen anzusprechen? Vielleicht gab es negative Erfahrungen oder es gibt Sorgen oder Ängste. Wenn neue, positive Erfahrungen gemacht werden oder Sorgen und Ängste sich nicht bewahrheiten, findet ein positiver Lerneffekt statt. Gerne also erst einmal darüber sprechen, wie Situationen, in denen Themen angesprochen werden dürfen, gestaltet werden sollen, damit beide Partner sich wohl fühlen.

mampa:
Wodurch geht Ihrer Erfahrung nach die Liebe am meisten verloren?

Linda Mitterweger:
Es lässt sich natürlich nicht verallgemeinern. Ich erlebe jedoch häufig, wie schwerwiegend sich Verletzungen, Vertrauensbrüche und Vernachlässigung auf Beziehungen – und die Liebe der Partner zueinander – auswirken. Verletzungen lassen sich in so engen Beziehungen, wie Partnerschaften es sind, nicht immer vermeiden. Vertrauensbrüche und Vernachlässigung schon. Sollte es doch einmal soweit gekommen sein, ist es empfehlenswert, sich Unterstützung zu suchen und die Erfahrungen aktiv zu bearbeiten. So kann die Liebe – und damit häufig auch die Beziehung – erhalten bleiben.

mampa:
Sind Kinder eine Herausforderung für ein Paar?

Linda Mitterweger:
Was Paare als Herausforderung empfinden ist grundsätzlich sehr individuell. Erfahrungsgemäß stellt die Familiengründung jedoch in vielen Partnerschaften vieles auf den Kopf. Eine gute Vorbereitung ist schwierig, weil die wenigsten Paare so ganz genau wissen, was da auf sie zukommt. Kinder sind nicht prinzipiell eine Gefährdung für die Partnerschaft. Vielmehr ist entscheidend, wie es uns gelingt, mit der Veränderung umzugehen.

mampa:
Wie vermeidet man gefährliche Zeiten?

Linda Mitterweger:
Die goldene Regel lautet: In Kontakt bleiben. Ich mache die Erfahrung, dass es dann schwierig in der Partnerschaft wird, wenn die Partner aufhören, ihre Erfahrungen miteinander zu teilen. Hier setzt das Gefühl ein, alleine mit der Situation zu sein, nicht mehr gesehen oder gehört zu werden. Wer es alleine im Alltag nicht schafft, gut in Kontakt zu bleiben, darf sich feste Termine in den Kalender notieren oder in regelmäßigen Abständen Unterstützung in Anspruch nehmen. Die Partnerschaft ist die Basis der Familie: Es lohnt sich immer, hier Energie zu investieren.

mampa:
Ultimative Herausforderung: Kann man verzeihen, wenn der Partner fremdgegangen ist? Schafft man danach einen Neuanfang?

Linda Mitterweger:
Ich würde diese Frage gerne mit JA beantworten aber realistisch betrachtet, schafft nicht jedes Paar nach einem solch tiefgreifenden Vertrauensbruch einen Neuanfang. Klar ist aber: Ohne Vergebung, kein Neuanfang. Auch wenn ich nicht für Fremdgehen in der Partnerschaft plädiere, habe ich allerdings auch schon erlebt, dass genau diese Situationen Partnerschaften zu ganz neuen Chancen und Möglichkeiten verhelfen können. Wenn es dem Paar gelingt, sich in der Erfahrung wieder zu finden und zu verbinden, sich gegenseitig zu vergeben und den Schmerz, den die Situation ausgelöst hat, zu halten, kann die Situation Türen öffnen. Auch das müssen Paare nicht alleine schaffen sondern dürfen sich Unterstützung holen. Auch in meinem Buch „Paartherapie für zu Hause“ gibt es ein ganzes Kapitel das helfen kann, solche Vertrauensbrüche gemeinsam durchzustehen und zu verarbeiten. 

Lieben Dank für das spannende Gespräch!
Maria Burges

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