Wie oft sollte ein Paar Sex haben, wenn es ein Baby bekommen möchte? Eine neue große Studie aus Norwegen hat genau diese Frage untersucht. Das Ergebnis: Bei Frauen mit geplantem Kinderwunsch war eine besonders häufige sexuelle Aktivität mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, in einem Zyklus schwanger zu werden. Der entscheidende Unterschied zeigte sich allerdings erst bei mehr als viermal Sex pro Woche.

Studie befragt über 64.000 Frauen mit natürlicher Schwangerschaft

Für die Studie werteten Forschende Daten von über 64.000 Frauen aus. Alle hatten eine geplante Schwangerschaft, die auf natürlichem Weg entstanden war. Die Daten stammten aus Fragebögen und bezogen sich auf die vier Wochen vor der Schwangerschaft. Die Teilnehmerinnen wurden danach eingeteilt, wie häufig sie in dieser Zeit Geschlechtsverkehr hatten. Verglichen wurden vier Gruppen:

  • weniger als einmal pro Woche
  • ein- bis zweimal pro Woche
  • drei- bis viermal pro Woche
  • mehr als viermal pro Woche

Die Forschenden untersuchten anschließend, wie lange es bis zur Schwangerschaft dauerte und wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis in einem einzelnen Zyklus war.

Mehr Sex, kürzere Zeit bis zur Schwangerschaft

Bei der durchschnittlichen Zeit bis zur Schwangerschaft zeigte sich ein Unterschied zwischen den Gruppen. Frauen, die weniger als einmal pro Woche Geschlechtsverkehr hatten, benötigten im Durchschnitt 4,8 Monate, bis sie schwanger wurden. Bei Frauen mit mehr als viermal Geschlechtsverkehr pro Woche waren es durchschnittlich 3,7 Monate. Damit lag zwischen den beiden Gruppen ein Unterschied von rund 1,1 Monaten.

Allerdings ist ein wichtiger Punkt der Studie: Der Rückgang der Zeit bis zur Schwangerschaft war vor allem auf die Gruppe mit mehr als viermal Sex pro Woche zurückzuführen. Zwischen den niedrigeren Häufigkeiten waren die Unterschiede deutlich weniger ausgeprägt.

Das bedeutet: Die Ergebnisse lassen sich nicht einfach als „je öfter, desto besser“ zusammenfassen. Vor allem die Gruppe mit mehr als viermal Geschlechtsverkehr pro Woche unterschied sich von den Gruppen mit geringerer Häufigkeit.

Wie oft Sex um schwanger zu werden? Antwortend darauf gibt eine norwegische Studie

16 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit pro Zyklus

Noch deutlicher wurde das Ergebnis bei der sogenannten Fekundabilität. Damit bezeichnet die Studie die Wahrscheinlichkeit, in einem Zyklus schwanger zu werden.

Als Vergleichsgruppe dienten Frauen, die ein- bis zweimal pro Woche Geschlechtsverkehr hatten. Bei Frauen mit mehr als viermal Sex pro Woche lag die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis in einem Zyklus laut Studie um 16 Prozent höher.

Zwischen den Gruppen mit weniger als einmal, ein- bis zweimal und drei- bis viermal Geschlechtsverkehr pro Woche fanden die Forschenden dagegen keine klaren Unterschiede.

Die meisten Frauen hatten ein- bis viermal Sex pro Woche

35,5 Prozent der Teilnehmerinnen berichteten von ein- bis zweimal Geschlechtsverkehr pro Woche, 37,3 Prozent von drei- bis viermal pro Woche. Frauen mit mehr als viermal Geschlechtsverkehr pro Woche waren häufiger jünger, hatten häufiger noch keine Kinder und verfügten seltener über eine höhere Ausbildung.

82 Prozent wurden innerhalb von sechs Monaten schwanger

Insgesamt wurden in der untersuchten Gruppe 82 Prozent der Frauen innerhalb von sechs Monaten schwanger. Nach zwölf Monaten waren es 93 Prozent.

Auch hier zeigte sich ein Zusammenhang mit der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs: Die höheren Häufigkeiten waren mit einem größeren Anteil an Schwangerschaften innerhalb dieser Zeiträume verbunden. Zwischen den niedrigeren Häufigkeitsgruppen waren die Unterschiede allerdings vergleichsweise klein.

Vielleicht nimmt dir genau das ein wenig den Druck: Die Studie zeigt eben keine einfache Grenze, ab der Schwangerschaft plötzlich wahrscheinlicher wird.

Musst du jetzt jeden zweiten Tag Sex haben?

Nein – zumindest lässt sich das aus dieser Studie nicht ableiten. Die Untersuchung zeigt, dass sehr häufiger Geschlechtsverkehr mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft verbunden war. Sie sagt aber nicht, dass du deinen Alltag nach einem festen Sexplan ausrichten musst.

Gerade beim Kinderwunsch kann Sex schnell von Nähe und Lust zu einer Art Termin im Kalender werden. Die Studie untersucht jedoch die Häufigkeit, nicht die emotionale Seite oder die Frage, wie sich ein bestimmter Rhythmus für ein Paar anfühlt.

Außerdem gab es wichtige Einschränkungen: Die Angaben zur Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs beruhten auf den Aussagen der Teilnehmerinnen. Und die Forschenden untersuchten nicht den genauen Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs innerhalb des Menstruationszyklus. Auch zur Spermienqualität lagen keine entsprechenden Informationen vor. Die Autoren weisen deshalb darauf hin, dass weitere Forschung nötig ist.

Das sagt die Studie zum Sex bei Kinderwunsch

Wenn du dich also fragst: „Wie oft Sex um schwanger zu werden?“, lautet die Antwort dieser Studie nicht einfach „so oft wie möglich“. Die Daten zeigen vielmehr: Bei mehr als viermal Sex pro Woche war die Wahrscheinlichkeit, in einem Zyklus schwanger zu werden, um 16 Prozent höher als bei ein- bis zweimal Sex pro Woche. Außerdem war die durchschnittliche Zeit bis zur Schwangerschaft kürzer.

Zwischen weniger als einmal, ein- bis zweimal und drei- bis viermal Sex pro Woche gab es dagegen keine klaren Unterschiede.

Die wichtigste Erkenntnis ist deshalb vielleicht: Die Studie liefert interessante Zahlen dazu, wie Sexhäufigkeit und Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zusammenhängen – aber sie macht aus dem Kinderwunsch keinen festen Stundenplan.

Wenn ihr euch ein Baby wünscht, darf Sex trotzdem Sex bleiben. Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang – keine Pflicht und keine Garantie.

Autor: Kirsten Hemmerde

Fotos: Pexels / Gustavo Fring, Anna Pou

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